Religionen

INHALT:

Einführung    Über den Titel – Vertiefung + Erhebung – Wach lebst du schöner –                                                                                                                                                                                                               – Zeitgenössische Forschung

Systeme        1) DAS OSTEN:        Konfucianismus – Hinduismus – Buddhismus

                     2) GOTTESDIENSTE: Judentum – Christentum – Islam – Sufismus

                     3) DAS WESTEN:      Humanismus – Theosophie – Gnosis

Zusammenschau    Schlußfolgerung – Dennoch ein Dilemma? – Praxis

 

Einführung

Über den Titel 

’Religion’ kommt vom lateinischen ’re-ligare’ und bedeutet: ’wieder verbinden’ oder ’erneut bestätigen’. Im Wesentlichen weist dies auf die potenzielle Fähigkeit des Menschen, seine Verbindung mit der kosmischen Quelle zurück zu finden, aus der er sich ursprünglich entwickelte.

Auch bedeutet das lateinische ’religio’ so viel wie ’sorgfältiger Umgang’, (mit etwas) ’vorsichtig umgehen’. Wir können davon ausgehen, daß dies mit der sorgfältigen Art zusammenhängt, mit der die Menschen früherer Kulturen mit allen Arten von Geboten und Verboten umgehen mußten. Die Gesellschaft war von zahlreichen rituellen Gewohnheiten  durchdrungen, die viele später zu leichtfertig Aberglauben nannten. Kurz gesagt: Vorsicht war Gesetz in der Praxis des täglichen Lebens.

 

Obwohl ’Religion’ in unserer Sprache ungefähr die gleiche Bedeutung bekam wie ’Gottesdienst’ ist die tatsächliche Reichweite des Wortes viel breiter. Stiftung Lebend!leben verwendet ’Religion’ hier im ursprünglichen Sinne (wie nach der obigen Definition): als umfassenden Begriff aller Systeme und Religionen, die sich sorgfältig auf den subtilen Zugang zur inneren Welt des Menschen konzentrieren.

Nach dieser Definition ist ein religiöser Mensch also ein Schüler auf dem beleuchteten Weg der Selbstuntersuchung, auf Entdeckungsreise zu seinem oder ihrem wahren Selbst, durch Einkehr entlang der inneren Dimension und Entwicklung des Bewußtseins, auf der Suche nach seinem oder ihrem ursprünglichen Zuhause.

 

Vertiefung und Erhebung

Dieses Kapitel steht im Zeichen eines großen Paradoxes: es könnte nämlich so aussehen, als ob die bekannten Philosophie- und Religionssysteme maximale Aufmerksamkeit verdienen, aber dieses ist gerade nicht die Absicht des hier folgenden!

Zwar beobachten wir mit Interesse eine Anzahl bekannter Wissens- und Glaubenssysteme, aber wir interessieren uns nicht für deren jeweiligen Geschichten. Wir wollen lediglich die  gemeinsame Basis finden, die allen zu Grunde liegt. So enthüllen wir die einzige universelle Religion.

Dazu betrachten wir zunächst eine wunderbare Möglichkeit, die allen Menschen zwar zur Verfügung steht aber nur von wenigen erkannt wird, geschweige denn genutzt.

 

Unser Anliegen betrifft also nicht den vielfälltigen Inhalt und die Unterschiede der religiösen Systeme, sondern vielmehr das, was alle Systeme bindet: das Warum vieler etablierter Systeme. Dann stellt sich heraus, dass man einiges aufklären kann, indem man auch das Phänomen Gottesdienst betrachtet, nicht irgendeinen Gottesdienst, sondern sowohl den einen als auch den anderen.

Dennoch werden die Leser denken: wie kann ich mich in etwas vertiefen und gleichzeitig mich nicht für dessen Inhalt interessieren? Hier tritt etwas zutage, was wir des öfteren wahrnehmen: auf den ersten Blick widersprüchliche Aussagen oder Tatsachen erweisen sich bei näherem Betrachten gar nicht als solche. Sie können sogar fast immer sehr gut zusammen existieren. Wie kann das sein?

 

In der Regel geschieht dies nur aufgrund des Blickwinkels, von dem aus wir etwas betrachten. Oft ist es nicht mehr als wohl-oder-nicht in bestimmten kleinen Denkfenstern ’hängen zu bleiben’. Diesem können wir vorbeugen, indem wir unser Denken immer offen halten für die ’nächsthöhere’ Ebene: das Denkniveau, auf dem der Unterschied zwischen zwei Gegensätzen wegfällt. Zum Beispiel:

Was schwarz ist kann nicht gleichzeitig weiß sein; schwarz und weiß sind mehr oder weniger Gegensätze. Aber ‚nächst höher’ betrachtet sind beide farblos und nicht mehr streitig. Oder: rot unterscheidet sich von grün, blau und gelb. Doch gehören sie ’irgendwie’ zusammen: aus dem Blickwinkel Farbe betrachtet, bilden sie eine Familie. Sogar farblos und farbig finden zum Beispiel im Begriff ’Dekoration’ wieder zusammen.

 

Ein weiteres Beispiel:

Was laut klingt kann nicht zugleich leise klingen, beide sind absolut streitig. Nur: machen wir  einen einfachen Schritt und bewegen uns vom Gegensatz  ’laut/leise’ weg so ist der Kontrast beseitigt: unter Schall erfassen wir in voller Harmonie alle möglichen Dezibelwerte. Aber Achtung: Farbe und Schall können doch nie wirklich etwas miteinander zu tun haben?

Das bleibt abzuwarten. Zwar ist ein Augenarzt, Optiker oder Maler total anders ausgebildet worden als ein HNO-Arzt, Akustiker oder Musiker. Doch arbeiten alle ’irgendwo’ unter einem gemeinsamen Nenner: sie überwachen, unterstützen oder streicheln unsere Sinne. Kurz gesagt: der Unterschied zwischen Farbe und Schall entfällt, sobald wir über Sinne reden statt über Auge und Ohr.

 

Es ist deutlich, dass wir auf diese Weise mit zahlreichen Beispielen weiter machen könnten. Was beabsichtigen wir damit? Es weist uns auf die wichtige Möglichkeit, dass der Mensch überschauen und vereinen kann, was zuerst unvereinbar erschien.

Das menschliche Denken kann sich in immer höhere Ebenen des Verstehens erheben und dadurch immer mehr Widersprüche aufheben.

Oft können wir auf diese Weise zum Beispiel den Sinn eines Geschehens entdecken, auch wenn wir zunächst meinten, es war absurd oder bedeutungslos. Würden wir diese Fähigkeit mehr bewusst einsetzen in der täglichen Praxis des Lebens, dann gehörten Konflikte durch Missverständnis, Meinungsunterschied, Begriffsverwirrung und Unfriede mehr und mehr der Vergangenheit an.

 

Durch die Beseitigung von Widersprüchen also können wir Ursachen von Unfrieden aufräumen. Diese Anhebung des Denkniveaus ist ein wichtiger Aspekt, aber das Wichtigste folgt noch. Wir können nun auch eine der meist essentiellen scheinbaren ’Widersprüche’ zu Gesicht bekommen, und zwar: die Entdeckung, dass es in der äußerlichen Welt wohl Gegensätze gibt, aber in der inneren Realität eigentlich gar nicht!

Es ist sehr wichtig uns davon bewußt zu sein, dass Gegensätze nur aufgetreten sind, so dass wir auf diesem Planeten miteinander kommunizieren können. Ohne Gegensätze würden wir in dieser greifbaren Welt kaum einander etwas verdeutlichen können.

 

Wir benötigen hier auf der Erde einfach die Differenzierung um das eine vom anderen zu unterscheiden. Rein äußerlich also bleibt die Vielfalt erhalten. Aber sobald unser Denken sich nicht mehr ausschließlich auf die materielle Umgebung konzentriert, verlieren die Gegensätze zunehmend an Bedeutung. Dies gilt auch anders herum:

Durch die Gegensätze bewusst hinter uns zu lassen, helfen wir uns selbst auf den Weg in die Richtung der ’nächsthöheren Ebene’. Oder besser: es hilft mir, mich in mich selbst (also Richtung ’Selbst’) zu vertiefen. Im Prinzip kann jeder Mensch dieses realisieren durch zu versuchen sich im Denken zu erheben und Geschehnisse zu überblicken. Es klingt paradox, aber wer es gut versteht erkennt die Bedeutung: Erhebung in meinem Denken führt zur Vertiefung in mich selbst.

 

Wach lebst du schöner

Solch ein Slogan der Stiftung Lebend!leben wird nach dieser Einführung verständlicher. Natürlich wird der Alltag angenehmer, wenn wir -dank jener Bewußtseinsübung- wachsamer werden, die meisten Streitigkeiten zu verbannen wissen und wegen des Überwachens von Situationen vielem Unfug vorbeugen können.

Neben dem ’von Innen aus betrachten’ unserer Umwelt (siehe bei anderen Kapiteln) ist die empfohlene Methode das Suchen nach dem ’gemeinsamen Nenner’.

 

Präsentiert die Stiftung Lebend!leben damit jetzt zwei verschiedene Übungen? Ja und nein! Tatsächlich sind hier zwei Aspekte erwähnt worden, die helfen, sein Bewusstsein zu entwickeln. Jedoch können wir auch hier versuchen, das gemeinsame Prinzip hinter beiden zu erkunden, und zwar: durch sich den Dingen ’von innen aus’ zu nähern.

Damit verlässt unser Denken, jedenfalls einstweilen, die physische Umgebung. Wenn wir uns danach dieser inneren Dimension entlang weiter erheben auf immer höhere ’überlappende’ und ’verbindende’ Ebenen, gehen beide Aspekte in einander über. Der Tauchgang tief in uns selbst, und damit das ’Hochziehen’ der Übersichtsebene, entpuppt sich dann als die ultimative Bewußtseinsübung!

 

Wenn wir dabei zugleich erkennen, daß diese innere Dimension -im positivsten Sinne- ein ’Weg ohne Ende’ ist, entdecken wir das großartige Versprechen dahinter. Nehmen wir an, dass  immer wieder eine höhere Ebene erkennbar wird, die zwei oder mehr untere Ebenen unter einen Begriff vereinen kann. Wozu würde dies führen?

Sobald wir diese ’Vertiefungsbewegung’ bis zum Ende weiter denken können wir nicht anders als letztendlich erkennen dass alles schließlich unter einem alles umfassenden Nenner gedacht werden kann. Wir entschleiern dann fast die Wahrheit hinter den bekannten mystischen Zitaten: ’Alles ist in dem Einen’ und ’das Eine ist in Allem’.

Aber auch ich existiere, also ’ich bin’ und dann gilt genau so: ’ich bin in Allem’ und ’Alles ist in mir’.

 

Zeitgenössische Forschung

Jene ’Vertiefungsbewegung’, das in mich selbst Tauchen entlang der inneren Dimension, ist wesentlich auch das Streben der meisten Lebenslehren und Religionen. Im Prinzip gibt es nichts Falsches an Religionen. Warum kehren sich dennoch mehr und mehr Menschen davon ab? Seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts sehen wir die Kirchen immer leerer werden, für andere Funktionen verwendet und sogar abgebrochen werden.

Es ist nicht verkehrt -bevor man religiöse Systeme loslässt- zuerst gut zu untersuchen was man eigentlich verlässt. Denn im Prinzip zeigt sich dass fast alle bekannten Systeme mehr oder weniger auf das Gleiche hinweisen, auf das sich auch die Stiftung Lebend!leben richtet. Was stimmt dann nicht?

 

Viele Systeme entstanden in Zeiten, in denen von einem ausreichenden menschlichen Bewußtsein nicht oder kaum die Rede war, um selbstständig das Mysterium des Lebens zu durchforschen. Viele Jahrhunderte brauchte die überwiegende Mehrheit der Menschen die Unterstützung von religiösen Führern, Symbolen- und Bildersprache, um die abstrakte Sachen einigermaßen zugänglich zu machen.

Schon lange vor unserer Zeitrechnung entstanden aus diesem Grund auf der einen Seite die ’Geschichten für das Volk’ und auf der andere Seite die geheimen Schulen für sehr begrenzte Kreise von ’Eingeweihten’. Darüber hinaus spielte für eine lange Zeit der Einfluss, den die Kirche damit auf die Menschen hatte, eine sehr wichtige Rolle.

 

Wahrscheinlich so lange die Menschen denken und fühlen können, hatten viele das Bedürfnis vom großen Mysterium ’Leben’ zumindest etwas verstehen zu können. Vermutlich wurde dieser Drang auch immer von der vagen Ahnung begleitet, dass es hierbei um eine Suche  nach einem Wissen geht, das nie bis in alle Tiefen erkennbar sein wird.

Was nicht erkennbar ist, kann man jedoch bis zu einem gewissen Grad wohl spüren. Es ist teilweise sicherlich zu beschreiben und ein kleines Stück davon ist vielleicht wirklich nachweisbar. Darüber hinaus: sobald man etwas nicht mehr mit klaren Worten ausdrücken kann, können wir uns oft noch mit Metaphern, Allegorien und charakteristischen Symbolen behelfen.

 

Übrigens: etwas, das wir nicht wissen können, eignet sich dafür, um es dann einfach zu glauben. Dies bedeutet jedoch -seit der westlichen Entwicklung des zwanzigsten Jahrhunderts- für viele in zunehmendem Maße ein Hindernis. Das ’blind’ folgen, welchem philosophischen System oder welchem Gottesdienst auch immer, findet immer weniger Anhang.

Zur gleichen Zeit bleiben viele unter uns unvermindert bereit die Essenz des Lebens zu untersuchen. Nicht nur fühlen sie, dass dies sinnvoll ist; sie haben dazu auch viel mehr ’Raum’ als die meisten Menschen in den vergangenen Jahrhunderten. Damals fehlte ja sowohl das geistige Gepäck als auch die Zeit, um über Bewußtseinsentwicklung zu denken, geschweige denn, daran etwas zu tun.

 

Dieses Thema ’manche-wohl und viele-nicht’ kommt auch kurz in der Einführung des Kapitels ’Grundfragen’ an die Reihe. Hauptsächlich die besser Gebildeten und Gutsituierten hatten früher die Gelegenheit sich damit zu beschäftigen. Aber sobald einige von ihnen sich ernsthaft anstrengten, erfuhren sie schnell den Widerstand von Kirchenführern und die beschränkte Unterstützung von wissenschaftlicher Seite. Das sieht heute völlig anders aus.

Zwar sind die meisten Wissenschaftler noch immer äußerst zurückhaltend, aber vieles ist inzwischen schon wissenschaftlich ’benannt’ worden und (sehr wichtig!) für jeden zugänglich. Genau das eröffnet in unserem Jahrhundert einer ernsthaften Suche Tür und Tor.

 

Vorzugsweise konzentriert ein zeitgenössischer Forscher sich bewusst auf rein wissenschaftlich entwirrte Fragmente, um dann davon ein eigenes Bild zusammen zu stellen. Dies erfordert mehr Anstrengung als blind fertigen Geschichten zu folgen. Aber am Ende lockt eine große Genugtuung.

Zahlreiche Informationsquellen und Fähigkeiten helfen uns dabei und begleiten uns während unserer Entdeckungsreise. Die Stiftung Lebend!leben reicht dabei gerne die helfende Hand.

 

DAS OSTEN

Konfuzianismus

Das Konfuzianismus entstand vor unserer Zeitrechnung im alten China. Es ist eines der Systeme, die ohne personifizierten Gott für die Menschen eine sehr klare Leitlinie für das alltägliche Leben zur Verfügung stellte. In seinen Beschreibungen des ’Li’, eine Art von Sittengesetz, beschrieb der große Philosoph Konfuzius (551-479 vor Christus)  für jeden zahlreiche praktische Lektionen des Lebens. Diese umfassten fast alle wichtigen Themen, sowohl des kosmischen Geschehens als des alltäglichen Leben auf der Erde. Das ‘Li’ bietet eine Reihe von Standards, die allen Dingen zugrunde liegen.

 

Anders als in manchen Religionen ist dieses ’Grundgesetz’ nicht  als ein fertiges Bild gemeint, mit einem Anfang des Kosmos, einem bestimmten göttlichen Plan und einem nachzustrebenden, großen Ziel. Das ’Li’ bietet den Menschen vielmehr ein ganzes Stück Wahl-  und Handlungsfreiheit. Die einfache Botschaft lautet: ’Sei Mensch’.

Das ’Li’ fragt jeden nur alles so zu akzeptieren, wie es auf die Menschen zukommt und in diesem Rahmen zu versuchen, ein guter Mensch zu sein, sich dauernd ’unterwegs’ zu wissen und unser Leben eher als eine freie Wahl statt einer aufgezwungen Aufgabe mit im voraus gestelltem Ziel zu erfahren. Zwar wird kein Mensch damit je ’fertig’, aber er ist frei und wird herausgefordert, den richtigen ’Tao’ (Weg) zu finden. Es ist also nicht die Rede von göttlicher Offenbarung, wie in der westlichen Theologie.

 

Man findet seinen ’Weg’ durch das ständige Bestreben, die bekannten Tugenden wie Liebe, Gerechtigkeit, Moral, Weisheit und Vertrauen zu erreichen. Durch dieses konsequente Streben  erwacht auf die Dauer eine neue Überzeugung. Der Mensch entdeckt sich selbst als erneuert.

Es wird eine Art von ’Wissen’ entstehen, das das Gute im Menschen und im Kosmos erkennen wird.

Der Leser wird hier eine große Übereinstimmung mit dem mystischen, seligmachenden Versprechen der westlichen Religion entdecken. Wer dieses tiefe ’Wissen’ in sich selbst erreicht hat, nach dem ’Li’, wird es nach außen wie etwas Königliches ausstrahlen, weil es ein alles umfassendes Wissen ist (alles in Einem!).

 

Konfuzius war der wichtigste ’Weisheitslehrer’ des chinesischen Humanismus, der sich über mehrere Lehrer ab dem sechsten Jahrhundert vor Christus entwickelt hat. Er markierte den Übergang von einer magisch-religiösen zu einer rationalen Zeit, in der der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird. Fünf ’Basisbeziehungen’ sind entscheidend für die zwischenmenschlichen Beziehungen: Herr-Knecht, Vater-Sohn, älterer Bruder-jüngerer Bruder, Ehemann-Ehefrau und Freund(in)-Freund(in). Menschlichkeit war das allerwichtigste.

Wer sein Verhalten darauf nicht abstimmte, hieß per Definition unmenschlich. Eine dritte Option gab es nicht. Menschsein bedeutet Pflichterfüllung, sich anpassen, wissen was das richtige ist, Toleranz, Respekt gegenüber anderen und der Gehorsam an seine Pflichten als Kind.

 

’Schaue, wie die Vorfahren es machten und lerne davon’. Beispiele aus der Vergangenheit dienen dazu, sich selbst zu spiegeln und sich zu finden. Auch Rituale und Zeremonien können dabei sinnvoll sein. Sie helfen, das zu erwecken, was tief im Menschen lebt: die Entschleierung des allumfassenden Prinzips.

Für Konfuzius war Erziehung ein wichtiges Thema: nicht als Zwang von außen, sondern als Unterstützung beim selbständig werden. ’Wer sich selbst nicht helfen kann, dem kann ich auch nicht helfen’. Die Botschaft des Konfuzius klingt oft sehr einfach: allgemeingültig, aber gleichzeitig erhaben. So ist es auch wirklich: höchste Lebenskunst kann in gewöhnliche Dinge des Alltags eingebettet sein.

 

Hinduismus 

Der Hinduismus ist aus Zentralasien bekannt. Er bietet -in allen möglichen Variationen- auch eine ’Lebenslehre’ ohne Verwendung eines bis zur Person degradierten Gottes. Das Ziel aller hinduistischen Lehre ist die letztendliche Perfektion des Menschen nach vielen Wiedergeburten auf der Erde. Der Mensch ist ein sich ständig entwickelndes geistiges Wesen.

Er kann intuitiv wissen, dass er an erster Stelle nicht die physische Lebensform ist, weil diese vergänglich (sterblich) ist. Sein Körper ist -wie ein zeitliches Vehikel- ein Werkzeug des Selbst, vom bewussten Wesen das er ist. Dank dieses Vehikels kann der Mensch in der irdischen Umgebung der groben Materie allerhand Erfahrungen sammeln und immer subtilere Lektionen des Lebens lernen.

 

Die Vollkommenheit ist eigentlich eine Rückkehr zu der Quelle, aus der alles Existierende entstanden ist. Denn es gibt ein universelles Prinzip, das allem, also einschließlich aller Lebensformen, zugrunde liegt. Nicht nur formt es die ’einzige Grundlage’, aber es ist auch -wie ein spiritueller Kern- immer in allem da. Es ist sogar die Essenz jedes Atoms im Kosmos, jedes Atomkernteilchens, jedes Quantenteilchens.

Moksha (die Vollkommenheit) ist also im Grunde Wiedervereinigung: Vereinigung mit dem Allerhöchsten. Die Evolution ist wie eine Spirale: schließlich findet Vereinigung statt, aber auf einem viel höherem Niveau.

 

Alles, was existiert, unterliegt einem fortlaufenden Prozess der Schöpfung. Nichts ist jemals ’fertig’. Jede Handlung und jedes Ereignis verursacht wieder neue Handlungen und Ereignisse. Diese unablässige Selbstschöpfung ist Karma.

Der gesamte Kosmos ist mit ’Jivatma’ (Geist) gefüllt. Also auch jede Form in ihm: alle Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Schöpfung entstand aus dem ’Höchste Brahman’, die grundlose Ursache, die ’Geist-Stoff’ ist (nicht Geist und Stoff!). Geist und Materie sind eins.

Dies bedeutet, dass Kraft (zum Beispiel der Wille) und substantielle Form ebenfalls untrennbar sind. Gedanken (Gedankenkräfte) sind daher ebenso real wie das greifbar Geformte.

 

Karma (Wirkung) ist das Grundgesetz der Natur, und gilt vor allem für die kreative Intelligenz. Wie der Mensch ’in seinem Herzen’ denkt, so realisiert er sich selbst und seine eigene Welt. So wird er sein und so wird seine Welt! Potenziell war und ist alles schon -wie im Keim- innerlich vorhanden. Durch die Evolution wird zunehmend mehr realisiert.

Auch Purusha (das innere Selbst des Menschen) war ebenfalls immer da. Potenziell war und ist alles bereits im Selbst vorhanden, universell und perfekt. Während seiner Entwicklung fügt der Mensch eigentlich nichts hinzu, sondern entschleiert nur seine bisher verborgenen Möglichkeiten.

 

Wesentlich ist die selbstverständliche Notwendigkeit, um immer wieder einen neuen Körper zu formen um die individuelle Entwicklung fortführen zu können. Dies gilt für jede Geist-Einheit, also auch für die Entität, die ein Mensch in sich selbst ist.

Die endgültige Vollkommenheit erfolgt durch die Vereinigung von allem-was-ist. Dieses Vereinigen geschieht natürlich im Geist, denn alles besteht ja in erster Instanz innerlich. Vereinigen = Yoga. Die erste Yoga-Übung greift ja im Geiste an, durch das Zähmen des Denkens. Dies Denken darf nicht, wie noch so oft geschieht, mit dem Menschen Reißaus nehmen, sondern man muss sein Denken zur Ruhe bringen, um zu lernen es als Werkzeug zu beherrschen und zu nutzen.

 

Buddhismus 

Der Buddhismus ist die Lehre Siddhartha Gautamas (563-483 vor Christus), der wichtigste aller Buddhas (’Aufgeklärten’). Nach der indischen Tradition ist Buddha die Bezeichnung für Menschen, die durch das Erreichen des vollen Wissens die Evolutionsstufe der Vollkommenheit erreicht haben und ’erleuchtet’ werden.

Nach vielen Jahren der Isolation, Prüfungen und Forschung kehrte Gautama als Erleuchteter von seiner Einsamkeit zurück und stellte eine Anleitung zusammen für den Dienst an Mitmenschen. Auf der Grundlage dieser Anleitung kann der Mensch in sich selbst Antworten auf Fragen finden wie: ’Warum lebe ich?’ und ’Was bedeutet das Leben für mich?’. Gautama wird seitdem als der Große Führer geehrt.

 

Das Leben selbst oder das Leben jeder Kreatur -so auch das Leben eines Menschen- ist neutral und universal. Es ist ein Phänomen ohne einen Gegensatz: nicht schön oder hässlich, nicht angenehm oder widerlich, nicht günstig oder ungünstig, nicht attraktiv oder ärgerlich. Die verschiedenen Stadien, in denen sich das Leben uns präsentiert sind nur Formvariationen des ewigen Gleichen. Nur wir selber machen die Unterschiede!

So benötigen die Menschen zum Beispiel einen Zeitablauf (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft) um die Ereignisse des Lebens einordnen zu können. Der Mensch hat Gegensätze geschaffen um übers Leben urteilen zu können und seine Gedanken zu regulieren. Macht er etwas richtig oder wählt er das Falsche, ist etwas sinnvoll und wichtig oder gerade nicht?

 

Mit unserem Begriff der ’Geburt’ beginnt eine andere Lebensform: Leben bekommt nun auch eine physische Form. Mit dem ’Sterben’ fällt der physische Teil wieder weg: die Lebensform ändert sich wieder. ’Tod’ bedeutet Geburt im nächsten Lebensabschnitt.

Gautama verglich dies mit ’unserem’ Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Wer in Gedanken mit der Sonne, die sich selbst nicht wesentlich ändert, mitbewegt, erlebt den Aufgang und Untergang einfach nicht.

Der Mensch muss entdecken, dass er (viel) mehr als seine äußere Erscheinung ist. Er ist eine ewige Monade (Einheit) des Geist-Stoff (nicht Geist und Stoff!). Geist und Materie sind eins.

 

Wenn wir in der Lage sind, uns den Gedanken mehr eigen zu machen, dass der Mensch eine solche Einheit und nicht nur seine körperliche Erscheinung ist, nähern wir uns unserem wahren Selbst. Dies ist das immer fortwährende Leben, das sich von innen heraus nach außen ausdrückt. Solange der Mensch sich nur an seine physische Existenz hält, muss er immer wieder die sogenannte ’andere Seite’ erfahren: die des Todes.

Denn ständig wird geboren und gestorben. Dem können wir nicht entgehen. Allerdings fällt diese ’andere Seite’ gefühlsmäßig für den Menschen weg, der eine Einheit des Denkens (im Geist) und des Erfahrens (im Stoff) erreicht hat. Er oder sie erlebt die Fülle jeder Form des Seins.

 

Die Entität die -nach einer Ruhepause- in der materielle Welt wiedergeboren wird, bringt lediglich die Essenz früherer Erfahrungen mit in das neue irdische Leben.  Hierin finden wir unter anderen die Erklärung für ein sogenanntes Wunderkind.

Wiedergeburt bedeutet also nicht das ’Wiederkommen der selben Person’ in einem neuen Körper. Gautama beschrieb es als das ’Aroma’ der Handlungen, wieder sichtbar geworden in der Materie. Wer sich in der Einheit von Geist und Materie fügen kann, ist am besten in der Lage die Idee der Reinkarnation zu akzeptieren.

 

GOTTESDIENSTE

Judentum 

Das Judentum verwendet die Idee von einem Gott, der ’immer da war’ und der der Schöpfer von Himmel und Erde ist. Das hebräische ’jesj me ajin’ steht für ‚Sein aus dem Nichts’. Folglich ist die Natur nicht selbst allmächtig, aber der ständige Ausdruck des göttlichen Schöpferwillens.

Der aufmerksame Leser sieht die Parallele mit der wissenschaftlichen Urknall-Hypothese: ’Sein aus dem Nichts’ bedeutet ’Creatio ex nihilo’: Schöpfung aus dem Nichts.

Wie kann aus dem Nichts doch etwas erschaffen werden? Die Urknall-Hypothese gibt uns die Antwort: Es gab eine Explosion eines sogenannten ’schwarzen Lochs’. Zwar war dieses unsichtbar, aber nicht leer. Kurz gesagt: bis gerade vor der Schöpfung (Urknall) gab es –nur in Bezug auf Manifestation- nichts.

 

Andeutungen über die Natur Gottes gibt es nicht. Gott selbst erklärt dies, als Moses bittet, Ihn sehen zu dürfen: „Das ist nicht möglich, denn kein Menschliches Wesen kann mich anschauen und (auf der Erde) am Leben bleiben.”

Dass der Mensch wohl das Werk Gottes in der Natur verstehen kann, aber nicht Sein Wesen, erläutert Gott anderswo: „Du sollst meinen Rücken anschauen und nicht mein Angesicht.” Gott ist also Geist. Man bedenke dabei, dass in der jüdische Auffassung der Mensch eine Einheit von Geist und Körper (Geist-Stoff!) ist, ohne Trennung zwischen Seele und Körper, wie in anderen Religionen. Mit anderen Worten:

 

Gott schuf den Menschen um sich durch den Menschen manifestieren zu können. Dabei ist das Wichtigste, dass Gott zusätzlich gewährleistet hat, dass der Mensch sich dessen auch bewusst sein kann! Tief in sich selbst kann man wissen ein göttliches Wesen zu sein. Das Selbst jedes Wesens ist im tiefsten Sinne göttlich.

Dies kennen wir auch aus der Genesis: ’Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde’. Zwar kann der Mensch nicht zum Wesen Gottes durchdringen, es gibt aber eine fortdauernde Verbindung mit Gott. Und dies bringt den Menschen in die Lage, um immer mehr sein Selbst zu verwirklichen und nach Vollkommenheit zu streben. Übrigens deutet ’eine fortdauernde Verbindung mit Gott’ deutlich auf die (auch anderswo diskutierte) innere Dimension jedes Menschen: der Weg zum tiefsten Selbst, zum göttlichen Monade.

 

Bezeichnend ist die Idee, dass das jüdische Volk ein von Gott auserwähltes Volk ist. Immer wieder wählt Gott für sein Volk einen gerechten Stammesvater, der den Auftrag Gottes ausführen soll.

Nach Adam ist dies Noah. Dieser erstellt einen einfachen Leitfaden (die Noahide Gebote) für das tägliche Leben aller Menschen. Durch das Befolgen dieser Verhaltensregeln kann jeder der Erlösung teilhaftig werden. Die wichtigsten Richtlinien sind: keine Götzen anbeten, keine Unzucht treiben und kein Blut vergießen.

 

Abraham, der nächste Patriarch, wird später das Symbol für den bedingungslosen Glauben an Gott. Mit Abraham schloss Gott den ersten Bund und versprach ihm den ’Besitz der Erde’ (symbolisiert komplettes Wissen) sowie eine zahlreiche Nachkommenschaft.

Das von Land zu Land Ziehen des Volkes können wir als Symbol für die Befreiung des Menschen betrachten. Dieser kann sich aus seiner Umgebung befreien und schließlich die ganze Welt zu seiner Welt machen. Damit ist natürlich der innere (göttliche) Weg gemeint.

Nach Abraham folgt der Bund mit Isaak und Jakob. Letzterer gilt als der meist vollkommene Ahn. Er hat bewiesen, dass der Mensch sich immer wieder erneuern kann.

 

Das ’auserwählt Sein’ kam besonders zum Ausdruck als Moses -nach der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei und dem Durchgang durchs Rote Meer- auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote erhielt. Damit erhöhte Gott nicht mehr ein Individuum, aber ein ganzes Volk zum Führer um -im Interesse der Rettung anderer Völker- die Welt vollkommen zu machen. Dass das ’auserwählt Sein’ auch Leid beinhaltet, ist bekannt.

Es ist auch sicherlich kein Privileg, sondern ein Auftrag Gottes. Es wird als eine Übergangsphase zur späteren Totalerlösung (der gesamten Menschheit) gesehen. Zur strikten Einhaltung der Gesetze gehört vor allem das Streben nach sozialer Gerechtigkeit. Die Beseitigung von Ungerechtigkeit -in welcher Form auch immer- ist ein wesentliches Element der Offenbarung am Sinai.

 

Christentum

Das Christentum unterscheidet sich dadurch von anderen Religionen, dass Gott sich hier in einer historischen Person offenbart, Jesus, der sich als Einheit von Geist und Körper manifestiert. Der Katholizismus betont die Kirche (der Körper Christi) und der Protestantismus setzt das Wort an erster Stelle (der Geist Christi). Zentral jedoch steht die Einheitsüberzeugung: Geist-Stoff ist eins.

Trotz der Einheitsidee neigen die Menschen auch hier immer wieder dazu in Gegensätzen zu denken. Wo immer möglich betonen sie entweder das Äußerliche oder das Geistliche. Dadurch kommt selten zum Ausdruck, dass das Christentum im Grunde Aussicht auf die Freiheit des Denkens bietet. Dieses ist blockiert solange man sich an die Kirche oder die Schrift bindet.

 

Jesus selbst beendete die strenge Gebundenheit (an viele Gesetze und Verordnungen), die kennzeichnend ist für die Atmosphäre im Alten Testament (siehe Judentum). Er winkt diese Regeln nicht weg, aber nennt sie sekundär: „Der Sabbat ist für den Menschen und nicht umgekehrt!’’. Primär für Jesus ist die universelle Liebe.

Diese ist also mehr als die starke Zuneigung zwischen Eltern und Kindern, verliebter Partner, enger Freunde oder andere Beziehungen, die wir schnell geneigt sind ’liebevoll’ zu nennen. Das Christentum meint die gänzlich selbstlose, einzig richtige Beziehung zu Gott und den Menschen: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selber. Gehorsamkeit gegenüber Gesetz und Bibel kommt erst danach.

 

Daher ist das Ziel, die optimale Gesinnung zu erstreben, womit der Mensch von der göttlichen Wirklichkeit in sich selbst, in seinen Mitmenschen, in der Natur und in allem um ihn herum bis einschließlich des gesamten Kosmos, überzeugt ist. Natürlich würdigt Jesus die Treue zu allerlei gut gemeinten Vorschriften. Allerdings ist er kein Sklave, sondern ein freier Mensch, der Begriffe wie Liebe und Gerechtigkeit voraussetzt.

Jeder Mensch kann in Freiheit wählen, seine spirituellen Möglichkeiten zu nutzen. Dass der eine diese Freiheit zum Guten und der andere mit schlechten Absichten anwendet, ist eine andere Sache. Das Neue Testament bietet zahlreiche Lektionen, um zu wissen, wie man damit umgeht.

 

Der Mensch lebt immer zwischen zwei Polen: wenn er seine Freiheit negativ nutzt, kann sein Verhalten bis auf die Tierebene sinken, mit positiv gerichteter Freiheit kann er zu edlen Höhen steigen. Jesus führt vor, wie ein Mensch leben kann, wenn er sich davon bewusst ist, dass die Gottheit sich durch den Menschen offenbart.

Jesus zeigt, dass kein einziger Mensch sich selbst befreien kann. Zu diesem Zweck benötigt er jemand anderen, der ihm oder ihr mit bedingungsloser Liebe begegnet. Auf diese Weise kann man einen Mitmenschen von eventuellen Schuldgefühlen befreien und zum Beispiel merken lassen dass Selbstsucht nur negativ ist. Das höchste, das der Mensch vollbringen kann, ist Selbstaufopferung für den anderen, manchmal mit seinem Leben. Dies kann man nicht erörtern, nur fühlen.

 

Nur im Schenken der befreienden Liebe also findet man die tiefste Bedeutung des menschlichen Lebens. Dem untergeordnet ist der richtige Umgang mit den Kräften in der Natur (für sich selbst und die anderen), oder das treu Folgen von allerlei Vorschriften. Der Mensch muss sich keinen Abgott machen:

nicht streben nach Macht oder Vergnügen; nicht sein Denken für das Wichtigste halten oder sich ganz einer Wissenschaft oder Kunst widmen. Zwar ist dies alles legitim, aber in diesen Beispielen schließt ein solcher Mensch sich doch ab vor der potenziell -freien- Wahl ein ’Kind Gottes’ zu sein. Nur durch tief in sich selbst mit dem Göttlichen (der er im wesentlichen ist) Kontakt zu suchen, kann jeder Mensch sich zu einem Kanal für die fließende heilende Kraft der universellen Liebe machen.

 

Nochmals: die von Jesus versprochene Freiheit kann der Mensch unmöglich aus sich selbst zustande bringen. Dieser Freiheit können wir nur teilhaftig werden. Dazu können wir nur während aller Begegnungen, die wir in unserem Leben haben, wachsam sein: Begegnungen mit der lebenden Natur oder einer inneren Erfahrung, mit einer bestimmten Theorie oder Offenbarung, mit einem Buch, einem Kunstwerk, einem Menschen… Jeder Kontakt kann einen befreienden Stoß bedeuten. Nicht nur für uns selber, sondern vor allem um damit die Freiheit unserer Nächsten zu erweitern. Mit Hilfe der ursprünglichen (nicht verzerrten) Lehre von Jesus konnte der Mensch sich die Freiheit bewusst machen. Das strömen lassen von universeller Liebe hilft uns das Geheimnis des Lebens zu entschleiern.

 

Islam 

Der Islam ist vielleicht das deutlichste Beispiel für eine einfache Personifikation der Allmacht: der intelligente steuernde Schöpfer von allem was war, ist und sein wird: Gott oder Allah. Jeder Muslim glaubt an Allah und lernt: ’La ilaha illa Allah’ oder: ’Es gibt kein Objekt der Begierde und Liebe außerhalb Allah’.

Damit betont der Muslim, wer und was Gott eigentlich ist. Zwar sehen viele Dinge schön aus, aber das ist oft Schein. Die wahre Schönheit ist nur in Ihm zu finden. Denn Er ist die ’Quelle’ aller Schönheit und Seine Schönheit ist sowohl ewig wie unveränderlich.

 

Islam bedeutet: sich ganz dem Willen Gottes ergeben. Neben dem Wissen, wer und was Gott ist, strebt der wohlwollende Muslim das Einwerden mit Ihm nach. Dies ist das ultimative Lebensziel und natürlich ist es die Kunst, um dafür auf dem richtigen Weg zu bleiben. Der Muslim sollte vor allem dafür sorgen, dass er oder sie nicht auf Abwege gelangt und nicht in die Versuchung kommt, etwas anders als Allah anzubeten. Dies würde eine Form des Götzendienstes sein, und das ist tabu.

Der Muslim weiß sich von einem Gebet unterstützt, das er nur an Allah richten kann und das ihn gleichzeitig davon abhält, einen eventuell falschen Pfad zu wählen. Das kurze ’Allaho Akbar’ bedeutet so viel wie: ’Ich erkenne nur die Größe und Herrlichkeit des Allmächtigen’.

 

’Zurück zum Anfang’, das muss das Streben sein. Der Zweck des Daseins auf der Erde ist es, sich so anzustrengen, dass letztlich Vereinigung möglich ist mit dem Ursprung (Gott), aus dem der Mensch entstanden ist. Wie das Verhalten am besten sein kann folgt aus zahlreichen Geboten und Verboten von Propheten, die der Schöpfer (seit Jahrhunderten) immer wieder als Boten auf die Erde schickte.

Alle Richtlinien sind in der Sjariat, dem ’göttlichen Gesetz’ beschrieben. Um den ’erleuchteten Weg zum Vaterhaus’ zu nehmen braucht man zunächst die richtige Einstellung: den Willen, den Weg zu gehen. Als nächstes muss der Muslim alle Zweifel überwinden und die Sjariat als inneren Weg anerkennen.

 

Dann kommt ein Moment, wo der Pilger gleichsam ein ’Feuer’ entdeckt. Sein anfänglicher Glauben ist nun zu völliger Gewissheit geworden, und er erlebt den begangenen Weg als absolute Realität. Schließlich offenbart sich das Verlangen, eins mit diesem ’Feuer’ zu werden, selber die Farbe davon anzunehmen.

Natürlich muss das ’Herz’ geöffnet sein, um das strahlende ’Licht der Gnade Gottes’ empfangen zu können. Wenn die Zeit da ist, kann das Licht hineinfließen und den Menschen total ’aufklären’. Vor allem andern gilt, dass nicht mehr die Rede ist von Eigennutz, also: ’Ich will nichts mehr als Ihr Wohlbehagen’  und ’Alle meine Taten sind nur auf die Suche Ihres Angesichtes gerichtet’.

 

Es ist nicht Gottes Wille, dass der Mensch sich in spirituelle Höhen verirrt. Er oder sie muss mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben und so viel wie möglich in der physischen Welt funktionieren. Wohl muss der Mensch, wo nötig, bereit sein sich selbst zu opfern.

Dies kann passieren, wenn ein Mensch sein gesamtes Leben Gott widmen will: ’Meine Gebete und Opfergaben, mein Leben und Sterben gehören nur Allah, dem Herrn der Welten’. Übrigens ist es ein auf der Erde erreichbarer Zustand, dass -bei standhaftem Glauben- bereits Vorzeichen des Paradieses (das Leben in Gemeinschaft mit Allah) empfangen werden.

Es scheint so, als ob der Mensch einen Schatz verloren hat. Wer diesen wirklich sucht, findet Ihn zurück.

 

Sufismus 

Den Sufismus können wir am besten als die mystische Betonung des Islam beschreiben. ’Suf’ (das arabische Wort für Wolle) ist von den wollenen Kleidungsstücken, in die die ersten Sufis sich hüllten, abgeleitet. Sie bilden eine Bewegung im Islam die sich seit dem achten Jahrhundert hauptsächlich in der irakischen Hauptstadt Bagdad entwickelt hat.

Kennzeichnend ist die asketische Selbstdisziplin, die die Sufis aufbringen können. Sie fühlen sich verbunden mit den Juristen und Theologen aus zwei Gruppen, nämlich: ein Orden der traditionellen Idealisten, und einer Schule der logisch denkenden Realisten.

 

In der Sufi-Lehre schlagen sich verschiedene Aspekte nieder:

– Betonung der einzigen Gottheit ähnlich wie im islamischen Denken (Theologie)

– das mehr oder weniger übernehmen eines unendlichen Vertrauens in die Gottheit (ethischer Aspekt)

– die wiederholte Benennung von Gott, vor allem seine Eigenschaften oder seinen Namen (Liturgie):

das sogenannte ’dhikr’. In Gruppen verwendet kann dies zu einer Gemeinschaftsekstase führen.

Später beeinflusste die griechische Zivilisation auch den Islam. Vor allem die neuplatonischen Gedanken beeinflussten die islamische Welt. Damit wurde der Sufismus idealistischer und übernahm viele Werte der griechischen Welt.

 

Wir sehen, wie dann eine Spaltung entsteht: ein Zweig identifiziert sich mit der monistischen Annäherung an die Gottheit, und ein zweite konzentriert sich viel mehr auf die orthodoxen Lehren. Damit geht der zweite Zweig schließlich völlig in den schon bestehenden Sunniten auf.

Ab dem zwölften Jahrhundert hat der Sufismus (Zweig eins) sich vor allem durch die Bildung zahlreicher Bruderschaftsgruppen gekennzeichnet.

Im Arabischen nennt man diese Bruderschaften ’taricq’, was soviel wie ’Weg’ bedeutet. Deutlich tritt auch hier wieder der Nachdruck auf den inneren Weg, den der Sufi gehen kann, zutage. Auch der heutige Sufismus will den Mitmenschen auf diesem ’Pfad’ zu seinem tiefsten Selbst führen.

 

DAS WESTEN

Humanismus 

Der Humanismus beinhaltet zwar keine einheitliche, allumfassende Weltanschauung mit Richtlinien für den Alltag, stellt sich aber keineswegs außerhalb jeder Art von Philosophie und Religion. Denn jeder Mensch, für den ’nur am Leben bleiben’ nicht genug ist, muss wohl die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen.

Der Humanist fühlt sich nicht gebunden an eine bestimmte Vision und lebt auch ohne ein vorher bestimmtes Ziel, aber  eine bestimmte Lebensanschauung fehlt nicht. Diese ist nur ein rein persönliches geistiges Gut, das sich so zu sagen immer wieder erobern lässt und dann erneut Gestalt annimmt. Gerade wegen dieser Bewegung bekommt eine solche Lebensanschauung individuellen Wert.

 

Oft sind es die gewöhnlichen Alltagserfahrungen, die uns zwingen, immer wieder die Frage zu stellen, was etwas für uns bedeutet oder welchen Wert es für uns hat. Durch die Art unserer Reaktion, also mit den gewählten Handlungen, bringen wir folglich zum Ausdruck, wie wir im Leben stehen.

Dabei stellt der wahre Humanist die Achtung für den Menschen in seinem Weltbild zentral. Es ist ja der Mensch, der sowohl Schöpfer aller Standards und geistigen Werte ist, sowie Teilnehmer an den natürlichen und sozialen Prozessen, in denen diese Werte eine Rolle spielen.

 

Sprechend über ’den Mensch’ geht es natürlich vor allem um den wirklichen Menschen, das heißt das Selbst als tiefste Erfahrung von dem, was jemand im Wesentlichen ist. Sich nicht mehr als ’Ding’ oder ’Spielball des Schicksals’ zu fühlen, aber dieses ’Bewusstsein des Selbst’  ist für viele die Anerkennung des wahren Menschseins.

Wir erleben dieses meist Individuelle als das einzig Wertvolle in uns. Jeder Versuch, es genauer zu bestimmen, ist dazu verdammt, fehlzuschlagen. Wie würden wir etwas, das nie zu objektivieren ist, jemals zum Objekt unseres Denkens machen können? Wenn dies tatsächlich gelänge, würden wir uns sofort in unserem Gehirn gefangen fühlen. Jedoch: dieses Bewusstsein des Selbst bedeutet eben Befreiung!

 

Das persönliche Erfahren (meine Persönlichkeit, mit der ich mich im Leben präsentiere) scheint im Überpersönlichen verwurzelt zu sein. Man muss versuchen, sich mehr und mehr vom Persönlichkeitsgefühl zu lösen und immer mehr sich bewusst im überpersönlichen Selbst zu verankern (also vom Überpersönlichen aus leben).

Dies kann eine tiefgreifende Veränderung bedeuten. Zunächst wird er oder sie eine Verbindung mit einer viel größeren Ganzheit erfahren, die außerdem auch viel tiefer reicht. Dieses kann später zu dem Gefühl führen, dass eine Vereinigung mit dieser umfassenden Ganzheit möglich ist. Schließlich wächst das Bewusstsein in Richtung eines ’Wissens’, dass es sich bezüglich dieser Ganzheit um ’alles was ist’ handelt, und dass das Selbst -wie völlig selbstverständlich und natürlich- in dieser Ganzheit aufgehen kann.

 

Der Humanist wagt es dies ohne Hemmung eine religiöse Erfahrung zu nennen. Von manchen Seiten wird behauptet,  dass der Humanismus ungefähr das Gleiche wie Atheismus ist: von Gott ist ja nicht die Rede. Allerdings ist dieses Bild sehr kurzsichtig, denn auch im humanistischen Denken sind Zeugnisse zahlreicher religiöser Mystiker bekannt. Mystiker verschiedener Kulturen, die im Laufe der Jahrhunderte zur Blüte kamen. Alle Äußerungen beschreiben die seltenen und wertvollen Erfahrungen einer inneren Realität. Eine solche innere Erfahrung kann entscheidend sein.

Sie kann den ’Weg’ zum ’Mensch werden’ zeigen, was der Sinn des Mensch-seins ist. Das weitere Folgen dieses Weges wurde zuvor schon erwähnt: sich bemühen, mehr und mehr vom tiefsten Selbst (aus dem Überpersönliche) zu leben. Dieses zeigt sich schließlich im Handeln eines Menschen.

 

Alles was menschlich ist, ist definitionsbestimmt humanistisch. Ein wichtiger Aspekt davon ist auch die Fähigkeit, in völliger Ruhe sein zu können. Im Kapitel ’Persönlich’ ist detailliert beschrieben worden, wie jemand das ’in-Ruhe-sein’ üben und das ’in sich selbst Einkehren’ erreichen kann. Dies ist keineswegs für jeden Menschen selbstverständlich.

Zur gleichen Zeit würde jeder wissen müssen dass es eine großartige Erfahrung bedeuten kann, wonach sich viele -nach einmaligem Erleben- immer sehnen. Es ist bedauerlich, dass viele Menschen die Stille am liebsten vermeiden. Wahrscheinlich wissen sie keinen Rat, wenn sie vertraute Dinge -wie viel Licht, Kontakt mit anderen, Hintergrundmusik, Gewohnheiten und so weiter- entbehren müssen.

 

Theosophie 

Theosophie ist eine philosophische Lebensanschauung, die so alt ist wie die Menschen denken können (auch wenn nicht immer unter diesem Namen). Es ist eine Vision von der Entstehung und Entwicklung des Universums, des Lebens und insbesondere der menschlichen Spezies. Zentral steht eine freibleibende und kritische Untersuchung des ’alles-was-ist’.

Ziel der Theosophen ist es, eine weltweite Bruderschaft zu bilden, in der Gleichgesinnte zusammen einen positiven Impuls gestalten. Wer nach dem Sinn des Lebens im Allgemeinen sucht, und im besonderen seinem Leben Inhalt und Wert geben möchte, dem wird ein Weg angeboten. Er oder sie kann dann selbst beurteilen, ob dieser herausfordernde Pfad auch sein oder ihr Lebensweg sein kann.

 

Die Lehren basieren sich auf ältestem Wissen, appellieren an unseren Sinn für Logik und an unsere intuitive Fähigkeit. Die theosophische Gedankenwelt wurde -teilweise aus inspirativ empfangenen Aufzeichnungen- von der Russin Helena Petrovna Blavatsky (1831-1891), die ihre Ausbildung in Indien erhielt, eingreifend geordnet. Im Jahre 1875 war sie Mitbegründerin der (internationalen) ’Theosophical Society’. Deren Zielsetzungen sind:

– nach einer universellen Brüderlichkeit der Menschheit streben, ohne Unterschied des     Geschlechts, Religion, Rasse, Hautfarbe oder Rang, und basiert auf dem geistigen Ursprung des Menschen;

– Religionen, philosophische- und wissenschaftliche Systeme studieren und vergleichen;

– die scheinbar unerklärlichen Naturgesetze und latenten Kräfte im Menschen untersuchen.

 

Der Theosoph ist sich davon bewusst, dass alle großen Religionen tatsächlich aus der so genannten archaischen Weisheit entwickelt wurden, von der Stiftung Lebend!Leben als ’die ältesten Überlieferungen’ angedeutet. Von dem alten Wissen gebildet, erschienen im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aufgeklärte Lehrer auf unserem Planeten.

Von ihnen lernte die Menschheit -passend für die jeweilige Zeit- was das Leben für jeden Menschen bedeutete und wie die Gemeinschaft am besten zusammenwirken könnte. Es gab auch Zeiten, zum Beispiel bei kritischen Situationen in der Evolution, dass -von den damaligen Führern- Hilfe geboten wurde ohne dass (im Hintergrund) große Lehrer sich dabei zu erkennen gaben.

 

Solange es Menschen gibt (circa 18 Millionen Jahre) ist die alte Weisheit immer wieder angeboten worden, immer in Übereinstimmung mit den Anforderungen des entsprechenden Zeitabschnitts. Die berühmtesten Lehrer in unserer Zeit waren Gautama der Buddha und Jesus von Nazareth. Die Theosophie bietet einen zeitgenössischen Impuls der gleichen Weisheit.

Obwohl Theosophie buchstäblich ’Weisheit Gottes’ bedeutet, ist es keineswegs eine Religion. Das komplette System umfasst mehr Wissenschaft als Theologie. Theosophie ist eigentlich die Wissenschaft der Wissenschaften und kann am besten als religiöse Wissenschaft beschrieben werden. Die Lehre bezieht sich auf alle Facetten der inneren und äußeren Natur, akzeptiert keinen ’Zufall’, wie wir dies in unserem Sprachgebrauch kennen, sondern nur Gesetzmäßigkeit in allen Dingen und in allen Situationen.

 

In der Theologie geht es meistens um Gottesahnung durch eine (von außen) einströmende Inspiration Gottes. Die Theosophie sieht die gleiche Erfahrung Gottes eher als individuelle Möglichkeit, die wir (von innen) intuitiv erleben können.

Dazu wagt ein Theosoph sich weiter als der Mystiker durch darüber hinaus sein ’intuitives Wissen’ an sich immer weiter entwickelnden wissenschaftlichen Erkenntnissen zu prüfen. Ausgangspunkt ist die zeitlose, unsterbliche Wesenheit in jedem Lebewesen (göttliche Monade), das ’Bewusstsein’ von allem in der Natur, bis in jedes Atom und jedes Quant. Die Evolution ist nichts mehr -aber auch nicht weniger!- als ein ständiger kosmischer gesetzmäßiger Verlauf der Erfahrungen aller geistigen Wesenheiten.

 

Das hier gemeinte ‘Bewusstsein’ definiert der Theosoph mit einem spirituellen Axiom:

’Es gibt ein grundloses Grundprinzip, das alles durchdringt, dauerhaft ist und allem Dasein zugrunde liegt. Es ist universell und unvergänglich, ewig allgegenwärtig, grenzenlos und unveränderlich’.

Auf mich selbst bezogen begegnet man diesem ‘Bewusstsein’ mit: ’strahlender als die Sonne, reiner als der Schnee, leerer als der Äther ist das Selbst, das Bewusstsein in mir. Ich bin das Selbst; das Selbst bin ich’. Auch ein spirituelles Axiom gibt es, um die (primäre) innere Bedeutung von allem was besteht, kernig zu deuten: ’Es gibt eine absolute Realität, die jeder manifestierten -konditionierten- begrenzten Natur vorausgeht’. Alles hat eine inhärente  Wahrheit.

 

Lange Zeit lebte in der westlichen Tradition die Idee, dass Leben und Tod für immer Mysterien bleiben würden. Die Theosophie liefert dagegen die befreiende Botschaft, dass es möglich ist, wahre Kenntnis der Wirklichkeit zu erlangen. Seit Jahrhunderten haben besonders die Kirchen versucht, den Leuten vorzuhalten, dass es sinnlos sei die wahre Erkenntnis zu suchen. Dieses hat so viel Argwahn hervorgerufen, dass es jetzt die größte Barriere bildet.

Viele von uns fühlen diese Zurückhaltung in sich und sind extrem vorsichtig, um auf eine solche positive Botschaft einzugehen. Eine direkte Folge davon ist zum Beispiel das zum Tabu erklären von allem, was sich auf normales Sterben bezieht. Man hat sogar Angst darüber nach zu denken, geschweige darüber zu reden. Viele fürchten ein ’todnormales’ Geschehen in der Natur.

 

Doch ist niemand völlig unwissend wenn es über das Wunder des Lebens geht (einschließlich des normalen geboren werden und sterben). Intuitiv kann jeder tief im Herzen fühlen dass dank der ’Lehrschule des Lebens’ (die wir Jahrhunderte lang folgen), sich ein Weg zeigt, der jeden Menschen zu seinem oder ihrem ’Zuhause’ führen wird.

Nur Unwissenheit über den Zweck unseres Lebens und die Mittel um unser Ziel zu erreichen, kann zu einem Irrweg führen, zur Zeitverschwendung und vielleicht zum Scheitern. Wir können uns unnötiges Leiden ersparen und auch den Mitmenschen auf unserem Pfad das Leben erleichtern, durch alle Rückhalte beiseite zu schieben und uns der verfügbaren wahren Kenntnis zu öffnen.

 

Gnosis

Gnosis bedeutet ’Kenntnis’, und damit ist vor allem ’die älteste Kenntnis’ gemeint, die in allen Zeiten immer wieder auflebt. Diese ’wahre Kenntnis’ oder ’tieferes Verständnis’ verbindet Aspekte der Wissenschaft, Philosophie, Religion und Kunst. Es geht um die Entwicklung der latenten Kräfte im Menschen, um die Kunst, das Leben in Einklang mit Natur und Kosmos zu leben, und in Harmonie mit sowohl der Außenwelt als auch der inneren Realität zu sein.

Von zentraler Bedeutung ist die Einsicht in das Wesen aller Dinge, in das Geheimnis des Lebens, des unendlichen Universums, die uns umringende Natur und -nicht zuletzt- in unser eigenes Wesen. Denn alle wahre Kenntnis beginnt mit dem Finden unseres Selbst, mit Selbsterkenntnis.

 

Gründer der Gnostischen Bewegung war Samael Aun Weor, der die beabsichtigte Selbstprüfung (die jede Person wählen kann) vorzugsweise mit ’Revolutionäre Psychologie’ andeutete. Diese bietet eine praktische Methode, um die schlummernden, latent anwesenden Fähigkeiten in jedem gesunden Menschen zu entwickeln.

Der Hauptschlüssel zum eigenen Wachrütteln ist die Wahrnehmung von sich selbst und insbesondere den Mut zur Selbstkritik zu haben. Wer Frieden in sich selbst errichten und glücklicher leben möchte, muss nur den Mut zum säubern seiner Psyche haben.

 

Man muss die unbewussten Ursachen (Versklavungen und Triebfedern) ermitteln. Ursachen die unfreiwillig immer wieder Gefühle der Trägheit und des Unwillens, Hass und Eifersucht, Gier und Neid, Angst, Unzufriedenheit, Disharmonie und so weiter hervorrufen. (Oder sind Sie, lieber Leser, davon schon völlig befreit?)

Solch eine unangenehme Erfahrung kann manchmal unsere Gefühle in Besitz nehmen, ohne dass wir uns dagegen wehren können. Was wir dabei allererst entdecken müssen (und erkennen!), ist natürlich die Wissenschaft, dass wir selbst einen solchen ‘Überfall’ verursachen. Wie stark wir auch dazu neigen (oder uns sogar anstrengen!) um die unmittelbare Ursache außerhalb uns selbst zu suchen.

 

Durch die Ausübung der gnostischen Wissenschaft kann der Mensch in sich allmählich einen Prozess in Gang setzen. Er oder sie bekommt einen Einblick in die Funktionsweise der eigenen Gedanken und Gefühle. Es entwickelt sich eine innere Verwirklichung, die offen ist für die Anerkennung und Anwendung der Intuition.

Sobald bewusst abwägen und handeln unbewusstes Verhalten vertrieben hat, hat die Tür zum selbst beherrschen der Lebensprozesse und steuern eigener Lebenserfahrung sich geöffnet. Man ist dann nicht länger der passive Sklave, der nichts von der eigenen inneren Wirklichkeit weiß.

Der Gnostiker beschreibt dies als eine Chance, um eine Bewusstseinsrevolution in Gang zu setzen und damit seine oder ihre ursprüngliche menschliche Würde zu rehabilitieren.

 

Der Revolutionären Psychologie zufolge gibt es fünf Zentren im Menschen: das Denken, die Emotionen, die Beweglichkeit, der Instinkt und die Sexualität. Tatsächlich leben wir unser Leben durch diese Zentren, in denen alle unsere Lebenskraft gespeichert wird. Das Ziel unserer menschlichen Entwicklung ist es, alle Zentren in ausgewogener Weise funktionieren zu lassen. Dies ist viel leichter gesagt als getan. ’Das Leben leben’ ist ja kein Schulfach. Dennoch wäre es an jeder Schule für Allgemeinbildung keineswegs fehl am Platz. Es wäre für die Menschen eine enorme Unterstützung auf ihrem Lebensweg. Denn eine Grundkenntnis der psychologischen Prozesse ist unentbehrlich, um ein wirklich freier Mensch zu werden.

 

Solange wir uns -als Schule- noch mit dem normalen Alltag begnügen müssen, kann die Gnosis für uns eine wichtige Unterstützung sein und uns dabei helfen, unsere Unwissenheit über uns selbst zu beseitigen. Dazu tauchen wir in die ’Esoterie’ (abgeleitet vom Griechischen Esoteriko, das Innere), also in die innere Welt des Menschen.

Dabei ist es interessant, dass niemand sich vor diesem Studium fürchten muss. Hier gilt nämlich ein bekanntes Naturgesetz: durch den Weg der Selbsterkenntnis öffnet sich vom spirituellen Pfad her der Zugang zu allem universell vorhandenem Wissen. Der selbstbewusste Mensch wird nicht durch Bücher und Studium Kenntnis der Natur und des Kosmos erlangen, sondern durch direktes, intuitives Wissen. Die alte Weisheit lautet: ’Mensch kenne dich selbst und du wirst das Universum kennenlernen’.

 

Dies erinnert uns an eine andere berühmte Redensart: ’Verbesser die Welt und fang bei dir selbst an’.

Zwar ist die gnostische Bewegung vor allem eine psychologische Schule, sie versucht aber auf diesem Wege letztendlich zum Frieden in der Welt beizutragen. Natürlich gelingt dies nur durch mehr Frieden im Menschen.

Solange es noch viele Menschen auf der Welt mit Kriegsstimmung in ihrem Wesen gibt, kann von dauerhaftem Frieden auf diesem Planeten nicht die Rede sein. Jeder, der die idealistische Vision unterschreibt, kann das Seine dazu tun, indem er oder sie die hier beschriebene Bewusstseinsrevolution in sich selbst Form gibt. Mit anderen Worten: nicht gegen andere streiten, sondern gegen die eigenen Unzulänglichkeiten.

 

Der Gnosis nennt als Lebenszweck des Menschen sich so für den inneren Weg zu öffnen, dass der Gottesfunke in ihm zum Ausdruck kommen kann. Wer dies erreicht, ist ’Meister’ geworden, womit der Gottesfunke gemeint ist, nicht der betreffende Mensch als Person. Für die Verehrung der äußeren menschlichen Erscheinung gibt es keinen einzigen Grund.

Im Grunde ist jeder Mensch immer eine göttliche Essenz, also auch während seines irdischen Lebens. Jeder kann diese Essenz entwickeln und -sobald die Entschleierung ausreichend ist- gewahr werden, wie die universelle Weisheit sich in ihm oder ihr offenbart.

 

Zusammenschau

Schlußfolgerung 

Vermutlich macht es Sinn, etwas über den Urknall zu lesen (siehe ’Makrokosmos’ und ’Mikrokosmos’), um uns vorstellen zu können, wie in früheren Zeiten einfache Leute davon etwas verstehen konnten. Wie konnte man ihnen erklären, was Urknall bedeutet, was Kosmos und Leben ist. Und bestimmt genau so schwer war es,  über Themen wie moralisches Verhalten, gesundes Leben, die richtige Erziehung und ein soziales Zusammenleben zu reden.

Es ist nicht verwunderlich, daß hierbei ein Symbol einer allwissenden, lenkenden Vaterfigur auftauchte, die alles schaffen konnte und immer überall um uns herum seine ’Augen und Ohren’ hatte. Mit Hilfe einer solchen Darstellung war es möglich, viele komplizierte Probleme in verständliche Geschichten zu verpacken. Zuerst benutzte man verschiedene Götter, später erschien das allumfassende Gotteskonzept.

 

Manche Religionen benutzen eine eigene Logik, um die Existenz von Gott oder Allah zu beweisen, zum Beispiel: Jeder Mensch der nachdenkt fühlt, dass etwas existieren muss, das dafür sorgte, ihn oder sie ’ins Leben hinein zu bringen’ und nach dem Leben auf der Erde wieder ’aus diesem Strom’ zurück zu ziehen oder das Leben auf andere Weise zu beenden. Diese Macht muss Intelligenz besitzen, denn sonst kann sie kein intelligentes Wesen hervorbringen.

Außerdem schafft diese inteligente Macht nichts ohne Zweck, also hat auch der Mensch per Definition ein Ziel, womit er oder sie sich von allen anderen Wesen unterscheidet. Im tiefsten Sinne ist der Mensch ein ’Göttlicher Funke’, der das Kennen des Göttlichen möglich macht und der -wie von Natur- anspornt, dieses Ziel auf die eine oder andere Art und Weise zum Ausdruck zu bringen.

 

Glücklicherweise ist der personifizierte Gott nicht das einzige Symbol, das ins Leben gerufen wurde Dinge zu verdeutlichen. Mindestens so interessant sind die Versuche, Menschen solche Unterstützung in einer Sprache zu bieten, die auf eigene Erfahrungen zurückgreift. Eigentlich sollte jeder Mensch ’sein System’ selbst wählen können.

Was ihn oder sie am meisten reizt, kann die gemeinte Stützfunktion ja am besten erfüllen.

Viele bekommen aber immer noch von gut meinenden Eltern ein System mit ’auf die Reise’. Ein Teil von ihnen ist oft ein Leben lang damit beschäftigt, diese Belastung wieder los zu werden. Wem dies nicht ganz gelingt, kann möglicherweise noch etwas Trost in der Wissenschaft finden, dass eine ’nächst höhere’ und ergänzende Einsicht eine frühere Einprägung verschwimmen lassen kann.

 

Wer eine Reihe von Systemen die Revue passieren lässt (siehe ’Religionen – Systeme’), kann gefühlsmäßig beurteilen von welchem System (oder mehreren) er oder sie sich am meisten angezogen fühlt. Natürlich ist jeder vollkommen frei, um auch ohne ein solches Hilfesystem zu versuchen, seinen Weg entlang der inneren Dimension zu finden.

Das Interessanteste von allem ist jetzt auf die Einführung zurück zu greifen: ist es vielleicht möglich uns auch über eine solche Reihe von Systemen zu erheben auf die ’nächst höhere’ Verständnisebene? Dazu brauchen wir nur das Wesentliche jedes Systems richtig zu uns durchdringen zu lassen, sie nebeneinander stellen und objektiv beurteilen, wo sie miteinander übereinstimmen. Kurz gesagt:

 

1) Fast alle Systeme stellen den Menschen zentral. 2) In fast allen geht es anscheinend über die Beziehung des Menschen zu seinem innersten Selbst und seinen Nächsten. In dieser Reihenfolge wohlgemerkt, denn wir wissen, dass jemand zuerst sich selbst lieben können muß (sprich: die Art wie er oder sie ist, vollständig akzeptieren), bevor man anderen Liebe schenken kann. 3) Alle Systeme versprechen Erleuchtung und/oder Erlösung.

4) Die einkehrende Bewegung entlang der inneren Dimension ist nahezu bei allen der Weg um sich dem faszinierenden Mysterium des Lebens zu nähern. 5) Fast alle haben für das tägliche Leben auf diesem Planeten Richtlinien bereit, seien es Empfehlungen oder Gesetze und Gebote.

 

Die Regeln wurden in einem heiligen Buch oder in heiligen Dokumenten festgelegt, die wir bei nahezu allen Systemen antreffen. Sowohl Judentum als Christentum berufen sich auf das Alte Testament. Daneben kennen die Juden die ’Noahide Gebote’ und die zweiteilige ’Talmud’. Im Neuen Testament (’Bibel’ Teil 2) finden wir die Lehren Jesu. Durch den ’Koran’ lehrt Mohammed über den Islam.

Im frühen China hantierte Konfuzius das ’Li’; die Hindus kennen die vier ’Weda’ und die Erzählungen von Krishna in der ’Bhagavad Gita’ (Teil des großen Epos Mahabharata); für die Buddhisten ist Gautama der ’große Führer’; in der Theosophie gibt es die ’Geheimlehre’.

 

In manchen Religionen (vor allem den älteren) waren die Menschen stark an die Schriften gebunden. Bei anderen sehen wir eine viel freiere Beziehung mit Rücksicht auf die natürliche Welt um sie herum. Gleichzeitig spüren wir noch starke Bindungen bei heutigen Minderheitsbewegungen innerhalb nahezu aller Hauptrichtungen.

Im algemeinen können wir aber feststellen dass die Gottheit sich jetzt nicht mehr so intensiv und häufig durch Regeln und Propheten ausdrückt wie es früher üblich war. Wer sich als Muslim zu den ’Fünf Säulen’ bekennt und als Christ zu den ’Zehn Geboten’ kommt schon ziemlich weit. In der heutigen Zeit gibt es eine zunehmende Akzeptanz direkter Offenbarung durch die lebende Natur.

 

Dennoch ein Dilemma?

Global beschaut können wir nur einen Punkt fundamentalen Unterschiedes signalisieren: das Entstehen des Weltalls war meistens ’Gottes Schöpfung’, zum Beispiel im Christentum und im Islam. Hinduismus und Buddhismus dagegen sprechen vom ’ewig Sein’. Dieses toleriert einander nicht, denn eine Schöpfung von ’ewigem Sein’ gibt es nicht!

Auch schon im griechischen Altertum (unsere Urheimat) war es undenkbar, dass ’Etwas aus dem Nichts’ entstehen könnte. Bei Aristoteles ist die ’ewige Materie’ eine feste Größe und er folgt damit allen griechischen Philosophen vor ihm. Es ist auch die Grundlage für die griechische Mythologie; es reimt sich jedoch nicht mit dem jüdische ’jesh me ajin’ (siehe unter ’Judentum’: ’Sein aus dem Nichts’).

 

Die Urknall-Hypothese und Albert Einstein können uns aus diesem Dilemma befreien. Erstens bedeutet diese allgemein akzeptierte Hypothese, dass der Urknall kein absoluter Anfang war, aber eine Explosion von etwas, das zuvor schon existierte. Dies schließt ’ewige Existenz’ also nicht aus: ’ewig Sein’ ist sicherlich akzeptabel.

Zweitens dürfen wir nach Einstein die Überzeugung vertreten, dass Materie und Energie sich im Wesentlichen nicht unterscheiden. Anstelle der ehemaligen ’ewigen Materie’ können wir also eher von ’ewiger Energie’ sprechen. Darüber hinaus erkennen wir, dass eine Geburt von Gott nirgendwo erwähnt wird, und dass ein schöpferischer Gott in jedem Fall energetisch sein muß. Dies zeigt, dass Gott eine personifizierte Benennung ist für ’ewige Energie’.

 

Hieran anschließend ist vielleicht das Interessanteste, dass die Mehrheit der Systeme auf die Einheit Geist-Materie, die jedes Lebewesen ist, hinweist. Wer unter ’Makrokosmos’ und ’Mikrokosmos’ über die Einheit Energie-Materie gelesen hat, die dem gesamten Kosmos zu Grunde liegt, fühlt die Parallele.

Wir kommen zu der Schlussfolgerung dass es im Grunde kaum Bedeutung hat zu welcher Philosophie oder Glauben wir uns bekennen. Wir können für alle Systeme von dem Moment an Verständnis aufbringen, in dem wir uns selber als eine spirituelle Monade verstehen. Diese ist über das tiefste Selbst nicht nur verbunden mit anderen geistlichen Elementen, sondern bildet damit eine wesentliche Einheit. Also doch:

’Liebe deine Nächsten wie dich selbst’ und ’Behandle deinen Nächsten wie du selber behandelt werden möchtest’.

 

Ein weiteres Beispiel ist die bekannte Aussage: ’Wir sind alle einanders Brüder und Schwestern’. Auch dieses verstehen wir erst wirklich aufgrund der vorhergehenden Perspektive. Wir erinnern uns unter anderem an die Zielsetzung der Theosophie (übrigens ähnlich im Sufismus und der Gnosis): das Streben nach einer ’universellen Bruderschaft’. Ist das reiner Idealismus? Sicherlich nicht, denn hier gilt doch: Idealismus und Realismus scheinen nur heute noch Gegensätze.

Die Bildung eines Kerns ähnlich gesinnter Menschen versuchten in der Vergangenheit schon viele. Dies kann an mehreren Orten auf der Welt gleichzeitig geschehen. Die Kraft der Gedanken ist Realität und die Energie gebündelter Gedankenkraft ist allgemein bekannt. Selbst ein beschränkter Kern von Menschen kann bereits eine reale Energie liefern. Die TM-Bewegung (Tranzendentale Meditation) verfolgt ein ähnliches Ziel.

 

Lieber Leser, Sie entdecken in den verschiedenen Philosophien und Religionen die gleichen grundlegenden Lehren. Sie können die Geschichte aller früheren Völker und Rassen nachlesen. Überall zeigt sich die archaische Weisheit als Quelle der Überzeugungen, die unter den Menschen lebten, einschließlich ihrer künstlerischen Äußerungen und Ehrbezeugungen.

Die ehemaligen Widersprüche zwischen Religion und Wissenschaft sieht man im letzten Jahrhundert radikal verblassen. Wir können jetzt die Einsicht erwerben, was die einzige wahre Religion ist. Wir sind alle geistige Wesen und das höchste, das wir entschleiern können ist unsere wahre Identität: unser tiefstes Selbst. Mit diesem Schlüssel erschließen wir uns den ganzen Kosmos und alles Wissen.

 

Dieses Wissen wurde in nahezu allen Kulturen gelehrt: im klassischen Ägypten und im griechischen Altertum, bei den germanischen Völkern in Europa und den mittelalterlichen Alchemisten, bei den Weisen in Tibet, über die Tempel in Asien und die Geheimschulen im alten Indien, bei den Mayas, Azteken und Inkas im alten Amerika.

Die archaische Weisheit ist die perfekte Balance zwischen den Naturgesetzen (der inneren und äußerlichen Welten), die immer bestanden haben. Es ist die Synthese des universellen Wissens, das -während aller Zeiten- von qualifizierten Lehrern, besonders Eingeweihten und großen Meistern (Mahatmas) unter die Menschen gebracht worden ist. Auch unsere Gegenwart steht dem völlig offen gegenüber.

 

Praxis 

Die folgenden Absätze beziehen sich nicht auf das Kapitel ‘Religionen’. Der Leser ist völlig frei, anschließend davon Kenntnis zu nehmen oder es vorläufig zu ignorieren. Gleichzeitig ist der folgende Text ein willkürliches Beispiel dafür, wie wir unseren Vergleich verschiedener Systeme praktisch anwenden können.

Denn selbstverständlich ist die ultimative Frage: was kann ich mit einem solchen Vergleich verschiedener Systeme anstellen? Auch wenn ich die Kraft spüre, die in der Entdeckung der so genannten ’einzig wahren Religion’ versteckt ist: dann weiß ich doch nicht sofort, was ich damit ausrichten kann.

 

Es ist klar, dass alles auf das bewußt werden meiner Selbst als innere Quelle von allem was ich denke, will, sage und tue gerichtet ist. Nahezu alle Systeme berufen sich hierauf.

In diesem Sinne bieten die Systeme gleichsam Unterricht in: a) das Analysieren meines Tun und Lassens und b) das Finden meines ’Weges’.

Die ’einzig wahre Religion’ ist also -neben völliger Akzeptanz von allem was lebt- das wissend und wollend eintauchen in mich selbst, um über die innere Dimension totale Harmonie, volkommenes Glück und ultimative Erleuchtung zu erreichen. Eine wichtige Methode dazu ist die Meditation (siehe auch bei ‘Persönlich’). Mit Meditation bekomme ich den notwendigen Unterricht durch eigene Übung.

 

Nach einer gründlichen täglichen Praxis meiner Meditation, kann ich (als ersten Schritt) die ’andere Blickrichtung’ gewahr werden (zu lesen als: die Betrachtung von innen aus). Viele scheinen dies schwierig zu finden, aber sie können Unterstützung in einem oder mehreren  Systemen finden. In verschiedenen Religionen gibt es Gott oder den Göttlichen Lehrer, der bei der Wahl der Richtung hilft. Dies können Passagen im Talmud, in der Bibel oder im Koran sein.

Ein Beispiel ist der (biblische) Psalm 32,8 mit unter anderen dem Text: ’Ich will dich lehren und dir den Weg zeigen’. Also ist eindeutig die Rede eines Weges: die vorher diskutierte innere Dimension (siehe auch bei ’Basisfragen’). Unmittelbar danach folgt: ’Ich will dich mit meinen Augen führen’. Wie kann man klarer sagen, dass die ’Blickrichtung’ auf diesen Weg von der Quelle heraus sein soll: vom Selbst heraus.

 

Zusammenfassend: ’Unterricht in Blickrichtung’ (bei eigener Regie Selbsterziehung oder ’Übung’ genannt) führt zum ’Sehen des Weges’. Vermutlich einer der ersten Empfindungen, die nach einer Offenbarung oder der notwendigen Meditation erkennbar wird, ist eine Art von Dankbarkeit für das ’genießen dürfen’ des Lebens. Denn:

Solange jemand das Leben nur von seiner physischen Existenz aus betrachtet, scheint es mehr oder weniger selbstverständlich, dass nach jeder Nacht schlafen der Alltag wieder normal weiter geht. Die einfache Frage ’Was eigentlich weiter geht’ stellt sich den meisten zuerst nicht. Kein Wunder, dass viele das Gefühl haben ’gelebt zu werden’.

 

Erst das Schauen aus der anderen Richtung, also mit dem Bewusstsein, dass ich mich selbst über eine innere Lebensenergie (meine Quelle) von Tag zu Tag verwirkliche, verursacht untrennbar das dankbare, stille Staunen für diesen nicht selbstverständlichen und nicht außerhalb von mir ablaufenden Prozess.

Durch die Beobachtung mit den ’Augen’ der (wohl oder nicht personifizierten) ewigen Energie ‘sehe’ ich schließlich die Welt um mich herum, die Natur, alle Dinge und mich selber in ihrer wahren Erscheinung: über ihr Inneres. Dann verstehe ich, dass alles in der Wirklichkeit in erster Linie energetisches Existieren ist, auch wenn noch keine materielle Form vorhanden ist, oder wenn eine äußerliche Form nicht mehr damit verbunden ist.

Dies als nur ein Beispiel zur Hilfe. Wir finden zahlreiche andere durch das Studium der Systeme.

 

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